Feminismus 3.0

Nackte Brüste, runde Hintern, freche Mäuler?

COLLABORATION ___ Patrycja German / Holger Endres
Anna K.E. & Florian Meisenberg
Magdalena Kita
Melissa E. Logan / A.L. Steiner
Special Guest: Ulrike Rosenbach

Kuratiert von Noemi Smolik

Feminismus war jahrelang in der Kunst ein Tabuthema. Die meisten Künstlerinnen haben es noch vor kurzem abgelehnt, mit Feminismus in Verbindung gebracht zu werden. Das scheint sich zu ändern. Immer mehr junge Künstlerinnen und Künstler stellen fest, dass der Traum von Gleichberechtigung zwischen Frau und Mann – was das ursprüngliche Anliegen des Feminismus war – längst noch nicht verwirklicht ist. Die Ausstellung greift daher den Begriff des Feminismus wieder auf, auch wenn sie sich damit angreifbar macht, denn inzwischen wurde die Gleichberechtigungsdiskussion um Fragen der Gender, Transgender und der sexuellen Orientierung erweitert. Einige sprechen sogar von Postfeminismus. Dabei verbindet alle diese Ansätze eines mit dem ursprünglichen Feminismus: die Weigerung wegen sexueller Zugehörigkeit oder Orientierung eine Diskriminierung hinzunehmen.

Die Ausstellung in der Galerie Gisela Clement fragt danach, was sich seit dem Aufkommen des Feminismus in den 60 Jahren des vorigen Jahrhunderts im Selbstverständnis der Künstlerinnen aber auch der Künstler geändert hat? Gezeigt werden acht Künstlerinnen und Künstler, die für drei Generationen stehen. Ausgangspunkt der Ausstellung sind die Arbeiten von Ulrike Rosenbach. Sie gehört der ersten Generation von Künstlerinnen an, die sich bewusst der Frage nach der Gleichberechtigung der Frau in der Kunst annahm. Sie zeigt die Fotoserien Female Energy Change (1975), Weiblicher Energie Austausch (1975), Aphrodite TV (1975) sowie das Fototableau Pasadena Rose Parade (1973/2015) neben drei ihrer werkszentralen Videos. Melissa E. Logan und A. L. Steiner repräsentieren die mittlere Generation. Diese Künstlerinnen, die durch ihre Zusammenarbeit mit Chicks on Speed aufgefallen sind, fassen ihre Kunst als ein aktivistisches Medium auf. Sie haben eigens für die Ausstellung Werke geschaffen, die sich auf die zehntausende Jahre alte Ursprünge der Malerei beziehen, auf die Körperabdrucke in den südfranzösischen Höhlen, und so den weiblichen Körper als Motiv der Malerei thematisieren.

Das Obergeschoss ist der dritten Generation von Künstler*innen vorbehalten. Magdalena Kitas knallfarbige Bilderwelt, die Motive aus der Pornographie aufgreift, bewegt sich bewusst an der Grenze des noch Erträglichen. Neben Zeichnungen aus der Serie Californication (2014-2015) zeigt sie mit glitzernd kitschigen Motiven versehene Wildschweinfelle und erstmalig einen bemalten Klappaltar, dessen Motive alles andere als heilig sind. Die Künstlerinnen Patrycja German und Anna K.E. treten mit Arbeiten auf, die in Kollaboration mit männlichen Kollegen entstanden sind. Und das unterscheidet sie von den früheren Generationen von Künstlerinnen, für die eine Zusammenarbeit mit Künstlern oft ausgeschlossen schien. Es werden sechs großformatige Fotoarbeiten aus der Serie 3. DEZEMBER 2013, 14 UHR, BERLIN von _Patrycja German und Holger Endres gezeigt, die ein humorvolles Ergebnis einer gemeinsamen künstlerischen Auseinandersetzung über den weiblichen Körper als Model und Muse des Künstlers sind. In einer Großrauminstallation zeigen Anna K.E. und Florian Meisenberg die Videoarbeit Late Check-Out (2016), mit der die beiden ihr eigenes Verständnis von Geschlechterrollen aus dem Blickwinkel ihrer Generation vermitteln.

08.11.2017 - 21.12.2017