Im Projektraum: LE SQUAD

Birte Bosse

Ausstellung
12. Juli – 10. Oktober 2019

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Die Galerie Gisela Clement freut sich am 11. Juli 2019 im Projektraum Birte Bosses Ausstellung „LE SQUAD“ zu eröffnen. Bereits 2017 war die Künstlerin mit dem Projekt „Auf freien Weiden“ schon einmal zu Gast in der Galerie.

Die Linie ist „Gedanke“, formulierte Paul Klee (1879–1940) Anfang des 20. Jahrhunderts in seiner Kunstlehre, und der Gedanke ist „Medium zwischen Erde und Kosmos“. Die Linie macht Unsichtbares sichtbar, übersetzt Reflexionen in sinnlich erfahrbare Bilder. Sie kennzeichnet Formen und definiert Objekte. Gleichzeitig ist sie „die erste bewegliche Tat“, und somit gestalterisch. Sie wird zu Kunst. Für den Bauhaus-Künstler war das Zeichnen ein Experimentierfeld für das Nachdenken über Kunst – und das Leben.

Diese unerschöpfliche Faszination für das Zeichnen und seine zahlreichen Bedeutungszusammenhänge findet sich auch im Werk der Berliner Künstlerin Birte Bosse wieder. Seit mehr als 10 Jahren sucht Bosse in ihren Arbeiten die Auseinandersetzung mit der Linie und lotet deren vielseitige Möglichkeiten aus. Ihre filigranen Pigmenttusche-Zeichnungen umfassen einen expansiv wuchernden Bilder-Kosmos, in dem die Linie konkrete Figuren und Objekte aus der Gedankenwelt der Künstlerin umreißt, als Form für einen bestimmten Gegenstand selbst steht oder sich gestisch-assoziativ in der Abstraktion verliert.

Seit einigen Jahren finden die Zeichnungen der Künstlerin ihren Weg vermehrt vom Papier in den Raum. Für ihre Ausstellung in der Galerie Gisela Clement hat Bosse ein Ensemble aus feingliedrigen Stahlskulpturen geschaffen, die wie in den Raum gezeichnet wirken. Die Linienformen einiger Figuren rufen beim Betrachter unterschiedliche Assoziationen zu menschlichen Charakterzügen hervor. So lässt die stabile Senkrechthaltung des „Anständigen“ (2019) an Aufrichtigkeit denken, während die ineinander geschwungenen Linien des „Verwirrten“ (2019) dessen geistiges Durcheinander widerzuspiegeln scheinen. Andere Figuren ähneln geometrischen Formen oder Alltagsobjekten – doch auch ihnen wohnt durch die Verortung im Raum und die dynamische Ausrichtung der Stahlstangen etwas Menschliches inne.

Bosses Anliegen ist es, Verbindungen zu schaffen. In ihren Arbeiten vereint sie Figuration und Abstraktion, bringt unterschiedliche, teils gegensätzlichen Bild-, Gedanken-, und Materialwelten zusammen. So verweist der Werk- und Ausstellungstitel „LESQUAD“ (engl. squad für Gruppe, Mannschaft, auch [milit.] Kader, Trupp; frz. le = der) einerseits auf das Gemeinschaftliche, suggeriert in seiner militärischen Bedeutung zugleich aber auch etwas vermeintlich Männliches und Aggressives. Letzteres spiegelt sich auch in der Härte des Materials wider. Dem gegenüber steht die Feingliedrigkeit der Skulpturen, unterstrichen durch den sinnlich sanften Klang des französischen Artikels.

Das verbindende Element bleibt im Werk von Birte Bosse immer die Linie. Und sie ist mehr als nur die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten auf dem Papier. In der Ausstellung erobert sie den Raum und erweitert unsere Vorstellung, wie aus Flächen, Umrissen und Rhythmen Bilder und auch Skulpturen entstehen oder aus abstrakten Konzepten sichtbare Gestalten werden können.
Text: Linda Peitz, freie Kuratorin und Autorin

Birte Bosse (*1984 in Hannover, lebt und arbeitet in Berlin) studierte von 2006 – 2012 an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig u. a. bei Friedemann von Stockhausen, Thomas Rentmeister und Bogomir Ecker, dessen Meisterschülerin sie 2013 wurde. Seit 2009 wurden ihre Arbeiten in Ausstellungen im In- und Ausland gezeigt, u.a. auf der Art Biesenthal, in der HDLU Zagreb oder in der Galleria Opere Scelte, Turin.