kunstundwohnen zu Gast in der Galerie Clement & Schneider:
Maik und Dirk Löbbert

Vernissage
Donnerstag, 29. Januar 2015, 19.00 Uhr

Einführung
Beate Eckstein, Kunsthistorikerin

Ausstellung
30. Januar – 21. Februar 2015
Karneval 12. – 18. Februar 2015 geschlossen

Für das neunte kunstundwohnen-Projekt der MIWO haben Maik und Dirk Löbbert eine Intervention mit farbigem Licht entwickelt. Bei der Arbeit „Treppenhaus“ wurden in einem Hausflur des Kunstquartiers Lutfridstraße, Bonn-Endenich die Scheiben der Fenster durch buntes Glas in den drei Grundfarben Gelb, Blau und Rot, die Türfüllungen der Eingangstür durch grünes Glas ersetzt. Im Aufstieg durch das Treppenhaus wandelt der Betrachter von grünem zu gelbem, zu blauen und schließlich zu dunklem, roten Licht, das zudem von den Wänden reflektiert wird.

Zum Abschluss des Projekts präsentieren Maik und Dirk Löbbert in der Galerie Clement & Schneider Arbeiten und Skizzen, die sich ebenfalls mit dem Thema „Transparenz“ beschäftigen.

Minimale Eingriffe und architekturbezogene Interventionen charakterisieren die Projekte der Brüder Löbbert. Sie reagieren bei ihren temporären und permanenten Arbeiten im öffentlichen Raum auf die vorgefundene architektonische Situation. Oft werden dabei einzelne Elemente wie Lampen, Beschriftungen, oder sonstige Gestaltungsdetails vervielfältigt, deplatziert oder farbig gefasst. Dabei geht es den Künstlerbrüdern darum neue Sichtweisen zu evozieren und gewohnte Wahrnehmungen zu durchbrechen.

 

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Eine Initiative der MIWO Gesellschaft für Mietwohnungsbau und -verwaltung
in der Region Köln/Bonn

Kunst und Architektur im Dialog

»kunstundwohnen« öffnet Wohnanlagen der MIWO, die in den 1950er und 1960er Jahren entstanden sind und typische Gestaltungselemente der Modernen Architektur dieser Zeit aufweisen, für künstlerische Interventionen, die jene für die Nachkriegszeit charakteristischen architektonischen Strukturen einer Neuinterpretation zuführen und mit zeitgenössischem Blick »modernisieren«. Seit dem ersten Projekt »Bild mit Wohnung« mit dem Künstler Detlef Beer im Jahr 2006 wird jedes Jahr ein Künstler oder eine Künstlerin eingeladen sich mit diesem Bestand der MIWO künstlerisch auseinanderzusetzen und das Wohnhaus als Ort des täglichen Daseins zu reflektieren. Die bisher realisierten Projekte zeichnen sich durch eine künstlerische Vielfalt aus, in der sich die Bandbreite zeitgenössischer Kunstproduktion und Diskurse wiederspiegelt: Von performativen Ansätzen (Detlef Beer, »Bild mit Wohnung«, 2006) über minimalistische Interventionen im Außenbereich (Martin Noel, »Farbe bekennen«, 2008; Tim Trantenroth, »Raumstein«, 2010) und temporäre Filmprojektionen, die für einen nur kurzen Zeitraum eine prägnante visuelle Wahrnehmungsverschiebung in die architektonische Situation einbringen (Claudia Desgranges, »Überblendung«, 2009) bis zu partizipatorischen Kunststrategien. So installierte Martin Pfeifle im Jahr 2011 eine Skulptur aus insgesamt 64 Neopolenschaum Kuben in die begrünte Außenanlage des Wohnquartiers Lutfridstraße, die von den Bewohnern auch als Sitz- und Spielgelegenheiten benutzt werden und in ihrer Zusammenstellung stetig verändert werden konnten. Die Skulptur wurde auf diese Weise zu einem Kommunikationsmedium im sozialen Zusammenhang der Wohnanlage (Martin Pfeifle, »Rado«, 2011).

Die ortsbezogenen und vor Ort entstandenen künstlerischen Eingriffe beziehen sich häufig auf jene architektonischen Elemente wie Durchgänge oder Treppenhäuser, die in der alltäglichen Aufmerksamkeit der Bewohner nicht mehr präsent sind. Mit Strategien wie der farblichen Übermarkierung des Beiläufigen (Friedhelm Falke, »Das gewohnte Bild«; Martin Noel, »Farbe bekennen«, 2008) oder All-over-Malerei im Treppenhaus (Karim Noureldin, »Tupelo«, 2012; Esther Stocker, »GEOMETRIA«, 2013) wird Übersehenes nicht nur wieder sichtbar, sondern eine Signifikanz des Ortes geschaffen. Erst die Kunst leistet hier eine Identifikation von Orten und fügt der Architektur eine neue Bedeutungsschicht hinzu.

Diese »Kunst am Bau« bei der MIWO stellt daher für die Künstler auch eine Herausforderung dar. Steht zwar auf der einen Seite zunächst eine gewisse Limitation durch das bestehende architektonische Gefüge der MIWO Wohnhäuser, eröffnet sich auf der anderen Seite aber ein willkommener experimenteller Raum. Oftmals sehen sich die Künstler mit der Situation konfrontiert, von den eigenen, eingeübten ästhetischen Verfahren und Techniken abzuweichen. Das beginnt bereits mit der Auswahl anderer Materialien oder Untergründe, auf die das Werk angebracht werden soll, und Dimensionen, die sich von der Atelierpraxis unterscheiden. »Kunst am Bau« bedeutet den Eintritt in einen rahmenlosen Raum, in dem sich Kunst als Kunst erst einmal verorten muss. Hinzu tritt der entscheidende Umstand, dass das Kunstwerk auf ein Publikum – die Bewohner – trifft, für die die »Kunst am Bau« zukünftig jedoch ein Bestandteil ihrer täglichen Umgebung sein wird. Sämtliche »kunstundwohnen« Projekte werden von einem Vermittlungsprogramm in Form von Vernissagen, kunsthistorischen Vorträgen und Katalogen flankiert. Das positive Echo der Mieter hat das Ziel des Engagements bestätigt: Die zeitgenössische Kunst aktiv zu fördern und gleichzeitig den Aspekt der Gemeinschaft zu stärken.

Text: Dr. Jutta Voorhoeve

 

Maik und Dirk Löbbert
www.mdloebbert.de

Galerie Marion Scharmann, Köln
www.marion-scharmann.com

30.01.2015 - 21.02.2015