Long Distance Call

Alison Hall

im Projektraum:
Eröffnung
22. März 2018, 19 Uhr
Anne-Marie Bonnet spricht einführende Worte
Ausstellung
23. März – 15. Mai 2018
Mi. – Fr. 14 – 18 Uhr, Sa. 13 – 17 Uhr und nach Vereinbarung
Ostern vom 30. März bis 3. April geschlossen

“A thing of beauty is a joy forever”
John Keats

Long distance calls …

Alison Halls Bilder sind keine Gemälde, sondern kondensierte Raum- und Zeitkörper. Sie werden ausgebrütet, herum getragen in Gedanken und Träumen, und wenn sie dann zum Erscheinen gebracht werden, sind sie das Ergebnis langwieriger Entscheidungsprozesse und spezifischer Modalitäten der Zubereitung des Trägers, des Auftragens und des Schleifens der Grundierung in immer neuen Anläufen und Schichten. Erst dann können die Farben aufgetragen werden, die ebenfalls aus dem Grund herauspräpariert werden. Ist über die Farbe entschieden, so entwickelt sie ein scheinbar monochromes Feld, das bei genauerem Hinsehen farbig leicht abweichende Flächen, Punkte bzw. graphische Muster aufweist. Diese Markierungen deklinieren nicht etwa einen Dialog zwischen Raum und Fläche (support/surface), sondern modulieren einen Tiefenraum, in dem der Betrachter versinken kann. In diesem ‘space’ schreibt sich geradezu meditativ die Lebenszeit ein, und malerische Expertise wird mit Lebensweltlichem kontaminiert. Der deutsche Begriff ‚Raum‘ vermag nicht die unendliche Unfassbarkeit, fast im Sinne von ‘All’, des Konzepts ‘space’ zu vermitteln. Alison Hall räumt in ihren Farbkörpern gleichsam Farb-‘spaces’ ein. Die Intensität farblicher Verdichtungen verleiht ihren Werken eine ebenso unfassbare wie konzentrierte Präsenz, die jedoch nicht vorgegeben ist, sondern sich jeweils in der Betrachtung ereignet. Jedes Werk ist ein-malig und ein besonders gegenwärtig Anwesendes, das durch rätselhafte Pracht bezaubert und fasziniert. Die Betrachtung dieser ebenso kargen wie überwältigenden Farbpräsenzen kommt kleinen Epiphanien gleich, und man ertappt sich bei der Hoffnung, Dostojewski habe recht gehabt, als er schrieb: “Schönheit wird die Welt erlösen”.

Obwohl diese Farbwesen, Ergebnisse geduldiger Prozesse, einem zeitintensiven Dialog zwischen Malerin und Werk entstammen, weisen sie außer in den graphischen Markierungen keine eigentliche Handschrift, keine Spur des Auftrags auf. Jedes Stück ist ein Versuch, Perfektion zu erreichen, eine Gratwanderung an der Grenze des Beinahe … aber in jedem Scheitern ist die Saat für den nächsten Versuch gelegt. Jedes neue Werk, jede neue Ausstellung ist eine Herausforderung, die eigenen Grenzen auszuloten und zu verlegen sowie neue Farbräume zu erobern. In den Farben und den Einschreibungsprozessen der Nuancen, der Markierungen hallt etwas nach: Die Echos der kargen Landschaften ihrer Kindheit, ihrer Faszination durch italienische ‘300-Fresken bzw. ihrer Verbundenheit mit bestimmten Menschen werden alchemistisch transformiert, ferne Werke, Erfahrungen und Erinnerungen ver-gegenwärtigt, und die poetische Präsenz der Farbkörper hebt Raum und Zeit auf, werden sie doch von weit her in Erinnerung gerufen: long distance calls . . .

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