Zwei Dinge erfüllen das Gemüt

Slawomir Elsner

kuratiert von Bernd Müller

Vernissage: 12. Juni 2016, 12.00 Uhr
Slawomir Elsner und Bernd Müller sind anwesend

Ausstellung: 12. Juni – 1. September 2016

In diesem Sommer begrüßt Clement & Schneider den Berliner Künstler Slawomir Elsner (* 1976 in Wodzislaw Slaski, Polen) als Gast der Galerie. Im Ausstellungstitel zitiert Elsner keinen Geringeren als Immanuel Kant und dessen Beschluss zur Kritik der praktischen Vernunft von 1788: »Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: Der gestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir. Ich sehe sie beide vor mir und verknüpfe sie unmittelbar mit dem Bewusstsein meiner Existenz.«

Dass dieser Bezug keineswegs so vermessen ist, wie es im ersten Moment scheinen mag, beweisen die Bilder, die Elsner nach Bonn mitbringt: In den heutzutage als weitgehend unspektakulär geltenden Techniken des Aquarells und der Buntstiftzeichnung ist er zu absolut spektakulären Ergebnissen gekommen. So zeigen die beiden Buntstiftzeichnungen, die sich auf ein Rembrandt-Gemälde aus dem Wallraf-Richartz-Museum beziehen, wie jung, frisch, dynamisch und zeitgenössisch ein Alter Meister sein kann, wenn er Elsners „Anti-Aging-Programm“ durchlaufen hat: In schier unendlich vielen akkurat gesetzten Strichen schafft Elsner ein (aus der Nähe betrachtet) verwirrendes Farbgespinst, das einen glauben lässt, das Original durch eine extrem zerkratzte Plexiglasscheibe zu betrachten. Bilder aus dieser Serie haben zuletzt auf der Art Cologne für Aufsehen gesorgt und waren zuvor unter anderem bereits in Ausstellungen in Dresden, Stuttgart und Zürich zu sehen.

Mindestens ebenso verblüfft und fasziniert steht man vor Elsners grünen, blauen und goldenen Aquarellen, die im Format von DIN A4 bis hin zu außergewöhnlichen 168 x 110 cm reichen. Doch damit nicht genug, er malt diese monochromen Bilder (entgegen jeder Tradition) in so vielen Schichten – bislang bis zu 109 (!), dass sie zum polychromen Ereignis und zu einer Hymne auf die Farbe (und die Technik) werden – und zwar ganz gleich, ob die Motive abstrakt oder figürlich sind. Das jüngste Blatt, ein tiefdunkler mit Sternen übersäter Nachthimmel, sei hier stellvertretend für alle anderen erwähnt, da es – wie vielleicht kein anderes Bild der Ausstellung – den Bogen zu Kant schlägt, indem es den Betrachter daran erinnert, dass dieser den Menschen zwischen die zwei größtmöglichen Extreme seiner Existenz stellt: »der gestirnte Himmel« als ein Äußerstes seiner Sinneswelt und die Vernunft, »das moralische Gesetz«, als des Menschen innerster Wesenskern. Im Spannungsfeld dieser zwei Kraftpole eines unbegrenzten Außen und eines tiefsten Inneren soll der Mensch seine Bestimmung finden. Text: Bernd Müller

12.06.2016 - 01.09.2016