John Zinsser. New York Paintings

Hg. von Gisela Clement und Michael Schneider
Mit einem Essay von Stephan Berg
und einem Gespräch mit John Zinsser geführt von Peter Lodermeyer
100 S. mit 55 Abb.
21 x 29 cm, broschiert

2012 Weidle Verlag
978-3-938803-46-2
EUR 25.-
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The Old School – The New School

Gibt es ihn – den universellen Künstler?
Den, der alles sieht, wahrnimmt und reflektiert?

John Zinsser ist ein Maler, aber auch ein New Yorker Intellektueller, ein Beobachter, ein Kommunikator, ein Netzwerker, ein Lehrer. John malt großartige Bilder. Wer sich mit ihm auseinandersetzt, spürt: In ihm brennt die Begeisterung für seine Arbeit und seine Umwelt. Er ist ein intensiver Beobachter all dessen, was um ihn vorgeht. Er ist an Menschen interessiert, an ihren Ansichten, ihren Fähigkeiten, ihrem Tun. Er wendet sich besonders gern jungen Menschen zu, will von ihnen erfahren, was sie bewegt. Er selbst ist am Puls der Zeit, immer offen für Neues. Er teilt sich gerne mit, spannend, kenntnisreich, lebhaft, begeistert und begeisternd.

John Zinsser lebt Kunst. Er ist immer informiert über alle Ausstellungen in New York. Bei den meisten Vernissagen trifft man ihn. Die neuesten Entwicklungen sind ihm vertraut. Aber er kennt auch die Geschichte und insbesondere die Heroen des postwar American painting. John verbindet Historisches und Aktuelles. Das gilt auch für seine Art, die Medien zu nutzen. Er ist stets mit einem großformatigen Heft unterwegs, in das er zeichnet und Gedanken, Stichworte, Namen und Adressen notiert – klassisch, wie früher. Im Atelier beschreibt er große Karten und versieht sie mit Materialproben, dokumentiert den Entstehungsprozeß eines Bildes – von der Idee bis zum fertigen Kunstwerk.

Ständiger Begleiter ist aber auch sein Handy, mit dem er ununterbrochen fotografiert. Die Fotos stellt er bei Facebook ein. In der Chronik auf seiner Facebook-Seite dokumentiert er seine Ausstellungsbesuche, stellt die Werke anderer Künstler vor, kommentiert sie und nimmt die Kommentare anderer User entgegen. Ereignisse aus Johns Leben werden vermerkt, profane Dinge – wie der Stadionbesuch zum Eishockey-Match – ebenso wie die Reisen zu eigenen Ausstellungen um die ganze Welt.

John sucht die Auseinandersetzung, sie ist ihm wichtig. Er will sich mit dem konfrontieren, was sein Umfeld meint. Er teilt seine Ansichten mit Menschen überall in der Welt, aus den verschiedensten Regionen, und quer durch die Generationen. Er tauscht sich aus mit Wissenschaftlern, Künstlern, den Leuten von nebenan ebenso wie mit Kindern und Jugendlichen. Er ist kosmopolitisch.

Seine Berichte sind immer auch Reflexionen über das Gesehene und Geschehene – über Gesellschaft, Politik und vor allem die Kunst. Er kann spannend bis ins kleinste Detail über diesen Kosmos berichten. Er erzählt humorvoll, tiefgründig, ernsthaft – und in keiner Weise belehrend. Der Austausch mit ihm macht Spaß, ist aber auch fordernd – im Sinne einer Aufforderung, sich mit ihm auszutauschen. Wer John beobachtet, könnte den Eindruck gewinnen, seine Medien seien neben der Malerei die Schriftstellerei und die Fotografie.

Doch dann geht John Zinsser ins Atelier. Was er dort umsetzt, in der Abgeschiedenheit seines Wirkungsraums, bleibt als innere, persönliche und tiefste Reaktion auf die Eindrücke aus der Kommunikation mit seiner Umwelt sehr individuell. Die Schaffens-, Entscheidungs- und Schöpfungsprozesse der Malerei sind unteilbar – erst die malerischen Ergebnisse sind wieder vorzeigbar. Sie faszinieren, weil er das Farbmaterial mit der Geste verbindet. Er glaubt an die Geste, benutzt, zitiert und ironisiert sie gleichzeitig. Seine Arbeiten sind Ausdruck der unbändigen Energie, die ihn antreibt.

Zurückhaltend und bescheiden, postet er seine Werke nicht. Die Aufgabe, seine Gemälde vorzustellen, bleibt uns überlassen, und wir kommen ihr sehr gerne nach – ganz in seinem Sinne: Im klassischen Medium der Ausstellung mit Katalogbuch ebenso wie im Internet bei facebook und auf www.clementschneider.de.

Wir danken John Zinsser, Stephan Berg, Peter Lodermeyer, Liz Volk, Barbara und Stefan Weidle, Christopher Schriner, Silke Hildebrandt sowie Christoph Jaschke.