Martin Pfeifle. RIZA

Hg. von Gisela Clement und Michael Schneider
72 S. mit 94 Abb.
21 x 29 cm, broschiert

2012 Weidle Verlag
978-3-938803-53-0
EUR 20.-
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Das schwarze Quadrat

Es ist viel darüber geschrieben worden – sehr viel.

Wir haben Martin Pfeifles Idee, ein schwarzes Quadrat als Rauminstallation in unsere Ausstellung einzubringen, sofort aufgegriffen. Es war klar, dass über das unmittelbar Abrufbare tiefer in einen Diskurs eingestiegen werden soll – von der Ikonentradition der Ostkirchen zu Malewitschs berühmter Nullsetzung der Malerei bis zu Hunderten von Bezügen zu dieser radikalen Geste.

Pfeifles Version des schwarzen Quadrats ist kein Quadrat, vielmehr ein Rechteck. Es ist raumhoch, eine dünne schwarze Folie wurde über eine Holzkonstruktion gespannt. Erhaben und edel wirkt das Objekt, die glänzende Lackfolie bewegt sich leicht im Luftzug. Es gibt eine offene Rückseite, hier sieht man die stützenden Hölzer – Kiefernholz – und bemerkt die matte Innenseite der Folie.

Welche Gegensätze allein in der Materialwahl! Vortrefflich läßt sich über Dissonanzen, Verwerfungen und Konflikte referieren. Die Erweiterung des Quadrats zum skulpturalen Raumobjekt! Von Malewitsch bis hierher tut sich ein enormer Fundus von Bezügen und Ableitungen auf.

Neben den mehr oder minder offensichtlichen kunsthistorischen Verweisen gibt es werkimmanente Verknüpfungen zu Pfeifles bisherigen Arbeiten – etwa zu der Installation „silvernook“, die er kürzlich für die Ausstellung „third transition zone“ im Kunstverein Pforzheim im Reuchlinhaus entwickelte.

Doch jedes weitere Wort verbietet sich: Das schwarze Quadrat ist nicht in der Ausstellung! Und: Trotz aller skizzierten Möglichkeiten, mit dem Werk in Dialog zu treten, sind wir nicht enttäuscht, denn Martin Pfeifle hat im letzten Moment unmittelbar vor Beginn des Aufbaus eine andere Trumpfkarte gezogen.

So wie es sein Ansatz und für seine künstlerische Haltung symptomatisch ist, hat er nach langer intensiver Auseinandersetzung mit den Ausstellungsräumen letztlich eine andere Lösung gefunden, die radikal und konsequent zugleich ist. Anders als sein schwarzes Quadrat bietet „RIZA“ dem Raum eine offene Struktur wabenartig verbundener Holzlatten, die mit schmaler, vergleichsweise dicker blauer Lackfolie so umwickelt sind, daß kein Holz mehr sichtbar bleibt.

Es entsteht eine funktionslose Trennwand im Raum. Ein freistehender Körper, der – wie andere Exponate der Ausstellung auch – an ein Möbel erinnert, jedoch keines ist. Wir erleben Bild, Skulptur und Installation in einem Gegenstand vereint, der wiederum voller Assoziationsmöglichkeiten in verschiedene Richtungen ist.

Martin Pfeifle hätte sich in seiner Ausstellung in der Galerie Clement & Schneider mit dem schwarzen Quadrat auf eine Zitatebene zurückziehen können. Ein offenkundiges Bekenntnis zu seiner Einreihung in die Entwicklung der Avantgarden wäre als Geste sicher gut aufgenommen worden.

Mit „RIZA“ geht er jedoch den entscheidenden Schritt auf unbesetztes Terrain, ohne eindeutige Bezugnahme wagt er so viel mehr an künstlerischer Autonomie.

Wir freuen uns, dass er diesen Schritt in unseren Räumen gemacht hat.
Lieber Martin, wir danken Dir.

Unser herzlicher Dank gilt ebenfalls Marcel Schumacher, Andreas Denk, Peter Lodermeyer, Liz Volk, Barbara und Stefan Weidle, Christoph Jaschke, Christopher Schriner, Silke Hildebrandt, Louisa Clement und Justin Sebastian, mit deren Hilfe wir die Ausstellung und diesen Katalog verwirklichen konnten.

Gisela Clement und Michael Schneider