Max Cole. Quintessence over Time

Hg. von Gisela Clement und Michael Schneider
92 S. mit ca. 50 Abb.
21 x 29 cm, broschiert

2011 Weidle Verlag
978-3-938803-32-5
EUR 25.-
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Zwischen den Horizonten

Eine Zugfahrt von Manhattan flussaufwärts den Hudson River entlang ist genau die richtige Vorbereitung für unseren Atelierbesuch bei Max Cole, die seit einigen Jahren etwa hundert Meilen außerhalb der Metropole lebt und arbeitet.

Durch das Besteigen des Wagons tritt eine plötzliche Ruhe ein. Vom Gewimmel der Menschenmassen abrupt isoliert, können die Gedanken ohne wesentliche Zweckbindung fließen. Den Rhythmus bestimmen für die Phase der beschaulichen Reise die großartige Landschaft des weiten Flusstals und das kurze Schlag-Stakkato der Schwellen im Gleisbett.

So werden wir eingestimmt auf die Konfrontation mit den Werken der Künstlerin, die sich seit mehreren Jahrzehnten durch malerische Setzungen horizontaler Streifen und kurzer vertikaler Linien auszeichnen. In der Regel sind es unzählige kleine Striche, sichtbar aus der freien Hand gezogen, die diese Streifen verbinden, verweben. Im malerischen Sinne gibt es Schichtungen, Überlagerungen und Durchdringungen, die auch aus der extremen Nahsicht kaum zu ergründen sind, sowie eine geheimnisvolle, warmtonale Farbigkeit.

Ein gutes Kunstwerk lässt wohl dem Betrachter bei jeder Begegnung den Atem stocken und erzeugt ein Verlangen nach mehr Auseinandersetzung. Wer je eine Leinwand oder eine Papierarbeit von Max Cole betrachtet hat, wird den Eindruck nicht vergessen haben.

So ist uns ihr Werk seit Jahren vertraut.

Etwas anderes ist das Kennenlernen der Person, die hinter dem Werk steht. Nur schriftlich war der Kontakt auf Vermittlung des Kölner Malers Peter Tollens vorbereitet worden, kein direktes Gespräch bis zur ersten Begrüßung auf dem Bahnsteig geführt worden.

Eingestimmt durch die Zugfahrt treffen wir Max Cole, die nach Wochen intensiver, meditativer Arbeit und malerischer Selbstbefragung nun wieder bereit ist für die Begegnung mit Menschen und das Gespräch über ihr Werk.

Es entspricht ihrer Haltung, stets auf das Wesentliche zu schauen. In ihrem Arbeiten ist es die Suche nach einer Lösung, die ohne alle überflüssigen Elemente auskommt, das Streben nach der Schönheit in der Form einer strengen Eleganz.  Die Konzentration auf das Essentielle gilt nicht nur für das Werk, sondern auch für das Leben Max Cole’s.

Eindrucksvoller als jede Beschreibung belegt dies ein Interviewzyklus, den Stephen Ziama im Jahr 2007 im Atelier mit ihr geführt und gefilmt hat. Aus jahrelanger Freundschaft und tiefer Kenntnis von Werk und Person hat er mit grosser Sensibilität ein eindruckvolles Dokument erstellt.

Einige Passagen werden deshalb hier ausgewählt und in Schriftform wiedergegeben. Sie bezeugen die Wahrhaftigkeit ihres Schaffens und die Präsenz der Person. Zwischen den Horizonten ihrer Bilder ist mehr als Malerei, wir sehen eine Haltung, die ein ganzes Leben bestimmt hat.

Wir danken Max Cole für das uns entgegengebrachte Vertrauen und Peter Tollens für die Eröffnung des Weges zu ihr.

Ebenso bedanken wir uns bei Stephen Ziama für die Überlassung seines Films sowie bei Barbara und Stefan Weidle für die Transkription und sensible Übersetzung der Interviewpassagen.

Gisela Clement und Michael Schneider