Tim Trantenroth. Subjektive Gewißheit

Hg. von Gisela Clement und Michael Schneider
Mit Essays von Raimund Stecker und Paul Elmar Jöris
56 S. mit 46 Abb.
21 x 29 cm, broschiert

2011 Weidle Verlag
978-3-938803-35-6
EUR 25.-
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Ein Suchspiel – immer malerisch

Kürzlich überschrieb Tim Trantenroth eine E-Mail an uns mit dem Betreff: „Suchspiel“. Die E-Mail enthielt als Anhang die Abbildung seines Gemäldes „Ohne Titel (Lotharstraße, Bonn), 2011“. Nun ist die Lotharstraße in Bonn das tägliche Umfeld der Galerie. Uns war das Fassadendetail eines Wohnhauses, das Trantenroth malerisch umgesetzt hatte, trotz seiner ungewöhnlichen Gestaltung nie aufgefallen. Wir mußten die Suche danach aufnehmen.

Wir nehmen also im Vertrauten das Besondere nicht wahr? Es sind seine Wachheit und der geschärfte Blick für das Fremde im vermeintlich Bekannten, die den Künstler auszeichnen. Er besitzt offenbar die Fähigkeit, in der erlebten Realität Qualitäten und Brüche unmittelbar zu erkennen.

Die malerische Beschäftigung mit solchen Brüchen ist Trantenroths zentrales Thema. Er verbleibt nicht auf einer stilkritisch-ästhetischen Ebene, indem er Architekturelemente aus dem urbanen Raum herausgreift und hinterfragt, sondern reagiert mit dieser spezifischen Sensibilität auf sämtliche visuelle Eindrücke.

In seiner künstlerischen Auseinandersetzung mit verfügbarem Bildmaterial aus den Medien wirkt er politischer und polarisierender. Aktuell zeigt sich dies am Beispiel des islamistischen Terroranschlags am Frankfurter Flughafen. Sein Gemälde thematisiert besonders jene Plane, mit der die Polizei verhindert hat, daß Schaulustige den Tatort beobachten, an dem zunächst Verletzte und Tote, später zumindest Blutspuren und Ermittler zu sehen waren. Die von Trantenroth malerisch hervorgehobene Plane weist aber auch darauf hin, daß die Deutschen einen solchen Anschlag offenbar nicht wahrnehmen wollen. Sie schützt die Öffentlichkeit vor einer für sie unangenehmen Wirklichkeit, die – würde man sie suchen und zur Kenntnis nehmen – gedankliche, vielleicht auch politische Konsequenzen hervorrufen müßte.

Tim Trantenroth arbeitet mit seinen Werken über den Terroranschlag in Frankfurt, seinem Kunduz–Zyklus und ebenso mit dem Bild „Lotharstraße, Bonn“ die Grenzen der bildlichen Darstellung heraus. Mit seinen Bildern liefert auch er keine objektive Darstellung des Zeitgeschehens. Seine malerischen Kommentare erschüttern unsere Gewißheit, die Wahrheit zu erfahren, die Wirklichkeit zu erkennen.

Die Suche geht weiter …
Ein Suchspiel – immer malerisch.

Wir danken Tim Trantenroth.

Gisela Clement und Michael Schneider