Werner Haypeter. Kraftfelder

Hg. von Gisela Clement und Michael Schneider
104 S. mit 75 Abb.
21 x 29 cm, broschiert

2011 Weidle Verlag
978-3-938803-33-2
EUR 25.-
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Refugium der Gedanken

Drinnen oder draußen – nirgends kann man es an einem glutheißen Tag im Juli 2010 im hinteren Innenhof des MuseumsQuartier Wien aushalten. Einzig der merkwürdige Vorbau vor einem Fenster der letzten Querfassade hat uns bei diesen Bedingungen hierhergeführt. Kein Lüftchen weht, und das filligrane, ungeordnet wirkende Metallgestänge wirft harte Schlagschatten.

Werner Haypeter hat hier unter dem Titel „inside out“ eine temporäre Installation mit zwölf Aluminiumstangen in den bestehenden Rahmen eines Kubikmeters Luftraum des forums experimentelle architektur realisiert – realisieren lassen, denn das Werk trägt Züge der Konzeptkunst. Nicht er selbst hat die Stangen eingefügt, vielmehr hat der Architekturtheoretiker Jan Tabor die Ausführung übernommen.

Haypeter hat hier, wie für seine Arbeit charakteristisch, über Ableitungen aus dem umgebenden Raum ein unerwartetes Kunstwerk geschaffen, das uns zugleich spielerisch und streng erscheint.

Streng, weniger spielerisch, aber doch so poetisch erscheint uns seine Rauminstallation „Lichtfeld“ im Kunstraum Alexander Bürkle in Freiburg im September 2010. Seit einigen Jahren setzt Haypeter dieses umfangreiche Werk an verschiedenen  Ausstellungsstandorten jeweils in bezug auf die vorgefundene räumliche Situation neu. Freiburg bietet einen großzügigen, fast abgeschlossenen Raum mit Fensterausblicken auf die Stadt, der annähernd ideal das Einbringen aller achtzehn Lichtelemente ermöglicht und im stillen Schein des blauen Lichts interessante Reflektionen aus und in das Stadtpanorama erlaubt. Ein Vortrag von Maria Müller-Schareck über das Lichtfeld und Werner Haypeters Werk insgesamt gibt den Anstoß, diese Arbeit ins Zentrum der schon geplanten Ausstellung Werner Haypeters in unserer Galerie in Bonn zu stellen und sie zu bitten, den Essay für unser Buch zur Ausstellung zu verfassen.

Zuvor bietet sich jedoch, im November 2010, die Gelegenheit eine eigens für unsere Räume konzipierte Setzung von „inside out“ – diesmal im Innenraum – zu präsentieren. Zwischen den Fensteröffnungen legt Werner Haypeter auf der Innenwand eine Malerei an, die mit den schon aus Wien bekannten Aluminiumstangen in Interaktion tritt.

Im April 2011 ist das Lichtfeld nun also in Bonn angekommen. Präzise eingepaßt, füllt es den gesamten Raum aus. Dem Betrachter bietet sich weniger die Möglichkeit, das Werk von außen zu überschauen, vielmehr tritt er ein und begegnet den Lichtkörpern auf Augenhöhe. Trotz der vorhandenen Fensteröffnungen ergibt sich hier weniger der Bezug zum Stadtraum. Das Feld ruht in sich, und seine Konzentration und Kraft sind unmittelbar erspürbar. Besonders die Situation in der Dämmerung erzeugt über das sanfte blaue Licht den Eindruck eines entrückten Raumes – eines Refugiums der Gedanken.

Wir danken Werner Haypeter und freuen uns darüber, daß die Reise des Lichtfelds mit dem Ziel Aachen-Kornelimünster weitergeht.

Gisela Clement und Michael Schneider